
die 3.Seite...
Wenig später werden nebenan Geldsäckchen hergestellt, deren Inneres ein Ries'sches Rechentuch ergibt. In Windeseile schieben kleine Kinderhände die selbst gebastelten Tonrechenstücke auf dem Lederstück hin und her. Die vier Grundrechenarten sind kein Problem. Ein Neunjähriger steht noch in der Pause begeistert vor den Linien des Rechenbretts und meint immer wieder kopfschüttelnd: „Das ist genial; das ist einfach genial!“
Ein später angereister Junge erklärt der völlig verblüfften Lehrerin, die ihm am nächsten Tag zügig das Grundprinzip der magischen Quadrate erläutern möchte, dass er schon wisse, wie das funktioniert. “Ich habe doch im vergangenen Jahr mit Kindern aus dieser Arbeitsgruppe im Zimmer gewohnt. Die haben am Abend vor der Präsentation so oft erzählt, wie man das machen muss. Da habe ich's einfach mit gelernt Seitdem kann ich das!“
Inzwischen knobeln draußen zwei Kinder an einem Magischen Quadrat 8. Ordnung; entstehen perspektivische Zeichnungen und Aquarelle nach klaren Regeln der Geometrie und Optik; faltet ein kleiner Junge mit Akribie und unglaublicher Fingerfertigkeit einen 20-zackigen dreidimensionalen Stern, der im Endeffekt einen Durchmesser von ca. 30 cm haben wird....
Die Zeit vergeht viel zu schnell, und ich ertappe mich dabei, dass es mir genauso geht, wie den hier anwesenden Kindern: Ich möchte mehr von all dem wissen und können, erfahren und anwenden; ich möchte noch einmal hierher kommen.
Ein Viertklässler gesellt sich zu mir und erzählt, dass es so schön hier wäre, weil ihn keiner seiner Hobbys (Mathe und Schach) wegen auslachen würde, sondern ihm zugehört wird...
Während in der Idylle des Waldes beim spätmittelalterlichen Markttreiben selbst gezogene Kerzen , frisch gebackenes Brot sowie Gewürz- und Heilkräuter von fleißigen Händlerinnen feil geboten werden; während Gaukler die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich ziehen, zeigen Rechenmeister ihre Künste, erklären Maler, wie der Raum aufs Bild kommt; berichten emsige Herolde über das Geschehen.
Und wenn der Betrachter genau hinschaut, erkennt er, dass sie alle, die Marktfrauen und Händler, die Rechenmeister, Maler und Gaukler, gerade erst neun oder zehn Jahre alt sind. Dass sie viel mehr wissen und können, als ihnen mitunter zugetraut wird. Vor allem aber, dass sie alle eines gemeinsam auf dieser Reise in die Vergangenheit hatten und noch haben: unbändigen Spaß am Lernen!
Langsam leert sich das Camp. Der Alltag des 21. Jahrhunderts erwartet uns.
Auf die Frage, was ihm denn am besten gefallen habe, erhalte ich von meinem Sohn auf dem Rückweg die begeisterte Antwort: ALLES!
Vorbehaltlos und dankbar stimme ich ihm zu.
Und während ich mich auf die Straße konzentriere, breitet sich in meinem Kopf eine Frage aus, die mich so schnell nicht wieder loslassen wird. Ist es möglich, diese wunderbar vernetzende Art und Weise der Wissensvermittlung und des Lernens nicht nur innerhalb eines solchen Camps umzusetzen, sondern auch in breiterem Maße im ganz normalen schulischen Alltag?
Ich bin der Meinung ja!
Warum auch nicht?!
Wir benötigen nicht viel. Nur den Mut, alt eingefahrene Gleise zu verlassen und die Begeisterung, neue Wege zu beschreiten.
Es lohnt sich! Garantiert!
Text: C. Möbius
Fotos: A. Schubert / C. Möbius
Weitere Links zu diesem
Camp und den AG‘s
finden Sie hier:
www.thueringen.de/de/schulaemter/jenastadtroda/- 13k - Begabungsförderung
zurück...